Selbstbetreuung Kinder

Da das Thema Selbstbetreuung weiterhin ziemlich kontrovers ist und viele gar nichts damit anfangen können, möchte ich aus meiner Sicht erzählen. Mit allen Vor- und Nachteilen:

Selbstbetreuung ist was Schönes, man verbringt ganz viel und intensivste Zeit mit seinen Kindern. Darf jeden Schritt, alles was sie erleben, miterleben. Jede Wut, jede Trauer, jede Freude, jeden Entwicklungsschritt. Das wollte ich keiner Kindergartentante, im Kleinkindalter überlassen, die sich im Grunde sowieso nicht voll für mein Kind interessiert. Ist eigentlich klar. Mit 10 bis 20 anderen Kindern in einer Gruppe, bleibt nicht viel Zeit und Platz für das einzelne Kind. Besonders die Kleinsten, die vielleicht viel öfter mal eine Umarmung, ein Küsschen, ein paar tröstende Worte bräuchten, weil sie sich noch nicht richtig artikulieren und ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern können.

Aber es gibt auch oft Tage, an denen ich mir einfach wünsche, die Kinder am Morgen irgendwo abgeben zu können und erst am Mittag/ Abend wieder holen zu dürfen.

Ja, es ist manchmal hart!

Das darf man nicht unter den Tisch kehren. Man muss den ganzen Alltag mit Kindern meistern und gestalten. Man kann nicht mal schnell durchsaugen, die Spülmaschine ausräumen, das Bad putzen, kochen, backen, Waschmaschine ausräumen, Wäsche aufhängen, Betten frisch beziehen, sich hinlegen wenn man müde ist (was in meiner derzeitigen Situation öfter vorkommt…) … Es ist immer jemand da, der „mithelfen“ möchte, oder heulend an deinem Bein hängt, weil es ihm langweilig ist, oder müde ist und hoch genommen werden möchte. In solchen Situationen, in den ich einfach „nur schnell“ mal was erledigen möchte, nervt es mich ganz besonders. Selbst der Gang zum kleinen Supermarkt um die Ecke, weil man einfach nur zwei Tüten Milch braucht, wird mit zwei Kleinkindern zur Tortur. Der eine hat sich grad in die Windel gekackert, der Große muss noch aufs Klo oder hat sich gerade in dem Moment eingenässt. Dann will man keine Jacke anziehen, oder gerade die, die im Moment in der Dreckwäsche liegt. Nein! Diese Schuhe will nicht! Oder noch besser: NEIN! Ich will nicht zum einkaufen! Ich will jetzt noch weiter TV schaun, spielen, hab hunger, hab durst…. Die besten Tage sind, wenn alles zusammen kommt und sie sich noch heulend, schreiend, wütend auf den Boden setzen oder schmeißen weil Mama langsam durchdreht.

Trotz aller gut gemeinten Erziehungsratgeber, wie man sich seinen Kindern gegenüber verhalten soll und ich die auch alle ganz toll finde, besonders die, in denen man das Kind voll und ernst nimmt- Ich bin auch nur ein Mensch mit begrenztem Nervenvorrat! Ich denke mir dann oft nur: „Geht doch einfach irgendwo hin und lasst mich in Ruhe!“ Das ist nicht böse gemeint. Ich liebe meine Kinder trotzdem über alles!

Entweder breche dann ich meine Vorhaben ab, oder ich kämpfe mich durch die Gegebenheiten, was viel Kraft und Zeit kostet. Meistens breche ich zur Zeit jedoch ab. Die Kraft fehlt mir. Warte dann, bis mein Mann nach Hause kommt und sich um die Kinder kümmert oder warte aufs Wochenende, wo ich dann alleine was erledigen kann.

Man ist es vom Berufsleben her gewohnt, effektiv und schnell zu sein. Das war ich immer. Wurde von Kollegen dafür gelobt, das ich alles unter einen Hut bekomme, alles schaffe und schnell bin. Wenn man weiß, was ich von Beruf bin ist das jetzt im nachhinein jedoch kein gutes Lob, wie ich finde… Ich habe erst durch meine Kinder gelernt, was es heißt Empathie zu besitzen.  Nicht nur auf sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse, sondern auf andere Menschen und ihre Bedürfnisse und Nöte einzugehen. Wenn man das alles übergeht, ja, dann ist man schnell und effektiv. Aber dann sollte man auch nicht mit Menschen arbeiten, die einen benötigen und denen man helfen muss oder Kinder betreuen bzw. haben.

Kinder sind Menschen! Menschen wie du und ich, mit dem kleinen aber feinen Unterschied, sie sind von dir noch abhängig! Sie schauen auf dich, machen dir alles nach. Bewundern dich. Lieben dich. Wollen von dir geliebt werden! Tun alles, um dich zufrieden zu stellen, damit du sie lieb hast! Eigentlich ein Wahnsinn, wenn man das aufgrund Effektivität und eigenen egoistischen Wünschen und Zielen, ausnützt.

Wie halten das die ganzen Eltern, die arbeiten gehen müssen oder wollen, nur aus? Übergehen die ihre Kinder einfach total? Ist es ihnen egal, was ihre Kinder wollen? Hauptsache das Ergebnis zählt? Oder lassen die sich alle am Morgen schön brav anziehen, sitzen brav am Frühstückstisch und Essen zivilisiert und schnell? Glaube kaum…

Vielleicht gewöhnen sich die Kinder mit der Zeit auch an die Tortur. Wer weiß.

Update:

Mittlerweile ist mein Großer im Kindergarten. Da es ihn aufgrund seines Geburtsdatums überworfen hat, ist er mit knapp vier Jahren in den Kindergarten gekommen. Er ist schon ziemlich selbstständig und läuft sogar seit neuestem alleine in den Kindergarten! So ist das natürlich kein Stress mehr. Unser Tagesbeginn ist meistens weiterhin stressfrei. Das ist mir viel wert.