Der Schreiberling in mir

In meinem letzten Beitrag Kinderheitserinnerungen… (derzeit offline) war ich sehr offen. Habe viel von mir erzählt. Warum tue ich das? Ich finde, mir persönlich hilft schreiben enorm um Erlebnisse aufzuarbeiten und zu verarbeiten.

Früher schrieb ich viel Tagebuch oder fiktionale Geschichten. Welche ich jedoch, aus Angst, jemand könnte es lesen, ziemlich schnell immer wieder im Ofen verbrannt hab. Schreiben war für mich, neben dem lesen, immer schon ein Hauptbestandteil des Verarbeitens.  Ob es grammatikalisch korrekt war, interessierte nicht, der Inhalt hat gezählt. Dazumal traute ich mich auch noch nicht, irgendjemand zu erzählen, was in mir los ist. Ich war den größten Teil meines Lebens ein ziemlich introvertierter Mensch. Das änderte sich erst mit ungefähr Anfang 20. Ich begann guten Freunden ein paar Dinge zu erzählen und ich merkte. Wow! Das tut richtig gut!

Mein wichtigstes Erlebnis war, als mir eine damalige Freundin dann auch was aus ihrem Leben erzählte und ich merkte: Hallo! Mein Leben ist ja gar nicht so abartig wie ich bisher geglaubt hab. Andere haben genauso ihr Päckchen zu tragen und haben zum Teil noch viel schlimmere Dinge erlebt und können darüber ganz normal reden! Das war der Durchbruch für mich persönlich und begann meinen ersten Blog zu schreiben. Dieser ging dann aber nur an engste Freunde. Damals hatte ich noch kein Facebook. Allgemein Soziale Netzwerke waren mir noch fremd. Ging auch gut ohne! 😉

Mit meinem Einstieg in Facebook kam ich mit immer mehr Blogs in Berührung, die von allen möglichen Dingen handelten und ich merkte: Hey! Da veröffentlichen Leute Dinge, die würde ich nur meinen engsten Freunden anvertrauen und bekommen dafür gute Kritiken bzw Resonanz!

Wir Menschen sind gar nicht so verschieden. Viele Dinge haben andere in ähnlicher Konstellation auch schon erlebt und man kann sich über Erfahrungen austauschen. Auf einmal kam mir mein Leben gar nicht mehr so schlimm vor und ich begann mich immer mehr zu öffnen. Vor allem auch, da ich auch begriff, das es die Menschen im Grunde gar nicht so sehr interessiert, was ich da schreibe. Es lesen vielleicht einige. Ein paar finden es toll, ein paar sind berührt, ein paar regen sich darüber auf und reden negativ darüber, ein paar lesen es durch und haben es kurz danach wieder vergessen und ein paar sehen den Beitrag und öffnen ihn erst gar nicht. Eigentlich nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste!

Mein Motto war lange Jahre: „Ist der Ruf erstmal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert!“ 

Schreiben ist für mich eine Art Befreiung, ein Privileg, eine Art sich den Menschen mitzuteilen. 

In der 7. Klasse Hauptschule hatte ich einen ganz tollen Lehrer. Im Deutschunterricht bekamen wir oft eine Einleitung einer Geschichte vorgesetzt und wir mussten sie zu Ende schreiben. Das war für mich das Schönste während meiner gesamten Schulzeit. Ich hab da oft seitenweise Text geschrieben. Mein Lehrer war begeistert, hat mir sogar die Schularbeiten mit nach Hause gegeben, damit ich fertig schreiben konnte und wollte meine Geschichten in der Schülerzeitung veröffentlichen. Dafür war ich aber dazumal zu schüchtern.

Meine Phantasie war beflügelt! In diesem Schuljahr war ich so gut, das ich nur einen 2er im Zeugnis hatte und der war glaub in Mathe, der Rest nur 1er. Ich begann „größenwahnsinnig“ zu werden und meinte auf die Realschule wechseln zu müssen.

Leider ging es da nur um die reine Theorie. Nicht der Inhalt war wichtig, sondern nur der Satz- bzw Textbau und korrekte Zeitformen. Ich habe gefühlte x tausend mal überlegt, die Schule abzubrechen. Ich hab die Realschule zwar geschafft, aber nur mit Ach und Krach. Im nachhinein hätte ich auf der Hauptschule bleiben sollen: Viel mehr Praxis, auch in meinen anderen Lieblingsfächern wie Kunst, Sport und Musik. Tja… Im nachhinein ist man immer gescheiter. Man meint immer, hohe Schulbildung sei das Maß aller Dinge. Quatsch! Wichtig ist die Begabungen voll auszuleben. Egal wie „gescheit“ man dann laut Abschlusszeugnis ist. Ich glaube so mancher Hauptschüler ist überlebensfähiger im Alltag und Beruf, als ein Abiturient, der danach jahrelang studiert und nur immer die reine Theorie gelehrt bekommen hat.