Mutterrolle!?

Zu Beginn, den Begriff „Rolle“ finde ich in dem Zusammenhang, etwas merkwürdig. Mutter Sein ist keine Rolle, die man spielt, sie ist das Leben, sobald man Kinder hat. Sobald man ein Kind ausgetragen hat, ist man bis zum Lebensende Mutter. Egal, wie alt das Kind ist.

Trotzdem war ich nicht immer von dieser „Rolle“ überzeugt. Bevor ich meinen Mann kennen lernte, war ich fast vollständig der Meinung: „Nein! Ich heirate nie und werde auch nie Kinder bekommen; ich muss auf eigenen Füßen stehen können, mich nicht von einem Mann abhängig machen!“

Größtenteils aufgrund der negativen Erfahrungen aus meinem eigenen Elternhaus. Meine Mutter hat mir beigebracht: „Verlasse dich niemals auf einen Mann, sonst bist du verlassen“, und dies war jahrelang in meinem Kopf. Wenn ich Männer kennen lernte, unterschied ich in meinem Kopf eigentlich nur zwischen: Versager und Weichei. Nicht das es viele gewesen wären, es klingt wahrscheinlich jetzt ziemlich hochtrabend, aber die ich kennen gelernt hatte, waren mir nicht im mindesten genug. Ich bin also recht emanzipiert und feministisch groß geworden. Umso erstaunlicher ist jetzt mein Weltbild… 😉

Mein Mann ist in einer völlig unterschiedlichen und doch gleichen Welt groß geworden. Harmonische Familie, die Eltern hatten nie Streit (er kann sich mal an keinen Streit erinnern), hat noch vier weitere Geschwister, die auch alle was ordentliches geworden sind. Die meisten inzwischen verheiratet und haben ihr Leben voll und ganz im Griff.

Dagegen meine Familie: Eltern geschieden, Vater depressiv und drogenabhängig (Alkohol und „Rauchwaren“). Nur der Jüngste hat eine Freundin- mal sehen, wie lange es hält. Der eine verkriecht sich, hat wohl enorme persönliche Probleme, wahrscheinlich auch Depressionen und löst diese leider auch durch Alkohol, und wir sehen ihn, wenn es hoch kommt, einmal im Jahr. Ok, ein Bruder hat augenscheinlich sein Leben im Griff, wünscht sich aber eigentlich auch was anderes.

Beide Eltern haben uns den christlichen Glauben mit auf den Weg gegeben, was allerdings bei der Familie von meinem Mann auf Dauer glaubhafter war. Weswegen sich wohl zwei meiner Geschwister davon entfernt haben.

Ich hatte schon immer das tiefe, innere Bedürfnis nach Annahme und Harmonie. Meiner Ansicht nach hat mir das Gott durch meinen Mann geschenkt. Er war komplett anders, als alle, die ich bis dahin kennen gelernt hatte. Ein ruhiger (nicht schüchterner) Mann, der einen Plan vom Leben hat. Starkes, männliches Auftreten. Er hat nie was negatives zu mir gesagt, bezüglich Aussehen oder Lebensstil. Solche Dinge waren bis dato in meinem Leben normal. Alle Jungs/ Männer mit denen ich groß geworden bin, hatten diese „Fotzeleien“ im Sprachgebrauch. Im „Spaß“ gab es immer wieder Seitenhiebe, heute würde man sagen sexuelle Belästigungen.

Aber etwas positives hatte es, man hat gelernt sich zu wehren, argumentativ. Das war für mich normal; von meinen Brüdern und von meinen männlichen Kumpels. Alles normal gewesen, bis… ich meinen Mann kennen lernte. Dieser hatte nämlich nichts von dem im Sprachgebrauch! Zu Anfang war ich deswegen richtig schockiert. Was? Der sagt ja gar nichts fieses… Da muss ich mich nicht rechtfertigen, nicht zur Wehr setzen, nicht meine Argumentekiste auspacken, die ich mir seit Jahren so schön zurechtgelegt hatte…

Das war der Zeitpunkt, in dem ich mich innerlich zu ändern begann.

Ich war nicht mehr auf der Flucht. Musste nicht mehr ständig in „hab acht“ Stellung sein, ständig auf der Hut, damit ich mich nicht unterkriegen lasse, damit ich allen zeige, dass ich wer bin! Übrigens, war das Verhalten nicht nur Mann-Frau abhängig, auch Frauen unter sich redeten so miteinander. Natürlich je nach Gesellschaft. Frauen sind im Konkurrenzverhalten etwas filigraner oder im Sprachgebrauch: Hinterfotziger.

Die Allgäuer sind allgemein im Sprachgebrauch ein recht deftiges Völkchen. Ich versuchte dies mal einer Bekannten zu erklären, diese war ganz schockiert. Da wird nicht lange rum gefackelt, da wird alles kurz und heftig auf den Tisch geknallt. Wie das Gegenüber sich fühlt? Egal! Gefühle sind was für Weicheier! Besonders Männer dürfen/ sollen keine Gefühle zeigen. Diese wurden dann bei mir automatisch aussortiert und als Weichei deklariert. Naja, so musste man wahrscheinlich in den rauen Bergregionen schon immer sein, sonst bestanden keine Überlebenschancen.

Ja, aber wenn man es nicht anders kennt, ist das für einen normal! 

Jetzt bin ich Mutter und Hausfrau aus Liebe und Leidenschaft und von meinem Mann „abhängig“ 😉 Ich bin total gegen dieses feminismus- emanzen Gehabe, da dies meiner Meinung nach eine innige Beziehung zwischen Mann und Frau zerstört bis ganz unmöglich macht.

Wie sagt mein Mann so schön: Wenn eine Frau von ihrem Mann abhängig sein soll, weil sie sich um die Kinder kümmert und den Haushalt schmeißt und er Geld verdienen geht, dann ist aber der Mann auch von der Frau abhängig. Er muss darauf vertrauen, dass die Frau die gemeinsamen Kinder ordentlich behandelt und erzieht und sie sich ordentlich um den Haushalt kümmert und dafür sorgt, dass es allen gut geht. Wenn eine Frau ihre Arbeit nicht ordentlich macht, geht es allen im Haushalt schlecht.

Klar es ist naiv bei näherem Betrachten, aber es widerspiegelt die Wirklichkeit.

Ich las vor nicht allzu langer Zeit einen Artikel über das Rentenniveau in Ost- und Westdeutschland. In Ostdeutschland bekommen die Frauen ganz klar mehr Rente, weil sie die Kinder früher in Fremdbetreuung geben um wieder arbeiten zu gehen. In Westdeutschland waren/ sind die Frauen eher zu Hause bei den Kindern und kümmern sich um sie inklusive Haushalt, Haus und Garten und können so keine Rente einzahlen.

Sprich, unser System macht uns Frauen Druck. Wenn wir eine gute Rente haben wollen, dann müssen wir wieder arbeiten gehen.

Vielleicht auch ein Grund, warum die rechts populistischen Parteien derzeit so einen Aufwind erleben? Diese Parteien sind die einzigen, die auf dies eingehen: Rentensystem ändern und Familien mehr fördern. Dies ist auch der Hauptgrund, warum ich so eine Partei wählen würde. Es muss was am System geändert werden!

Hierzu zwei sehr guter Artikel: 

http://www.deutscher-familienverband.de/19-familie/familienpolitik/784-wer-kinderarmut-saet-wird-altersarmut-ernten

https://www.oekologiepolitik.de/2017/10/22/familienreport-2017-dokument-familienfeindlicher-politik/

Ich bin hart zu mir selbst und deswegen auch hart zu anderen und setze die Messlatte hoch.

Als ich die Idee zu diesem Artikel hatte (heute morgen beim Kaffee) dachte ich mir, vielleicht wird es Zeit, meinen Mitmenschen gegenüber mal (wieder) etwas weicher/ toleranter zu werden. Ich bin ich. Die anderen sind anders. Jeder hat seinen eigene Geschichte, seine eigenen Erfahrungen und setzt diese in seinem Leben anders um als ich.

In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende! ❤