Eine Schande für unsere Mütter-Unser Rentensystem

Meine Mutter hat vier Kinder groß gezogen. Wir hatten eine wunderschöne Kindheit. Unsere Mutter war immer zu Hause und hat sich um uns gekümmert. Wenn wir mittags von der Schule oder vom Kindergarten heim gekommen sind, stand bald frisch gekochtes Essen auf dem Tisch. Am Morgen saßen wir gemeinsam alle am Frühstückstisch und machten uns für den Tag fertig. Nachmittags war freies Spielen und wenn was war, Mama war immer verfügbar und ansprechbar.

Ein sehr wertvoller Job! Nur leider zählt das nichts.

Leider hat sie jetzt die Quittung für diese aufopferungsvolle Zeit bekommen:

20 Jahre Rentenzeit fehlt.

Was tun? Sie muss jetzt bis 67 Vollzeit arbeiten, in einem Job, der sie fertig macht. Psychisch und physisch. Wechseln? Theoretisch möglich. Praktisch jedoch unmöglich. Wer stellt eine Frau über 60 noch ein?

Meine Situation: Mutter von drei Kindern, ich bin auch den ganzen Tag zu Hause und kümmer mich um Haushalt und Kids. Nebenbei, als Ausgleich, dieser Blog.

Derzeit kämpfe ich mit einer Erkältung und würde am liebsten nur noch meine Ruhe haben. Geht das? Nein. Ich muss drei Kinder versorgen. Diese Woche hat mein Großer zudem noch Ferien. Mein Mann arbeitet ganztags.

Eine Oma, bei denen ich die Kids „abstellen“ kann? Fehlanzeige. Meine Mutter ist nicht verfügbar. Meine Schwiegermama wäre es zwar, aber unsere Kinder sind nicht ihre einzigen Enkel und zudem hat sie noch weitere familiäre Verpflichtungen. Sie hat auch nur beschränkte Zeit- und Kraftreserven. Sie selbst hat fünf Kinder groß gezogen und war auch immer zu Hause bei Haus, Garten und Kindern. Nur sie hat das Glück, dass ihr der Mann geblieben ist… Bei meinen Eltern ist es leider auseinander gegangen und jetzt steht meine Mum halt ziemlich blöd da. Sie wird ziemlich wahrscheinlich in der Rente Sozialhilfe beantragen müssen. Sie möchte es nicht, sie schämt sich dafür, aber… Es wird ihr nichts anderes übrig bleiben. Traurig!

Also, muss der Staat sowieso zahlen, aber damit erniedrigt er den Menschen und macht ihn nicht stolz auf seine Taten- vier Kinder großgezogen zu haben…

Ich selbst war, vor meinen Kindern, 10 Jahre treue Steuerzahlerin, zwei von meinen Brüdern buckel sich den Ar*** ab und zahlen mehr als genug Steuern. Sprich, meine Mutter hat sich verdreifacht, was das Steuern zahlen angeht. Was hat sie davon? Nichts! Sie wird gedemütigt, weil sie die Arbeitskräfte von morgen, besser gesagt heute, zu ordentlichen, strebsamen Menschen herangezogen hat, die Respekt vor den Menschen und vor dem Leben haben.

Ich sprach mit meiner Mutter,vor nicht allzu langer Zeit, über die Kleinstkinderbetreuung unter drei Jahren. Sie meinte:

Weißt, selbst wenn ich das gewollte hätte, dazumal gab es bei uns einfach nicht die Möglichkeit, Kinder so früh schon in eine Betreuungseinrichtung zu geben und wenn man keine Oma in der Nähe hatte, bestand schlicht und ergreifend nicht die Möglichkeit arbeiten zu gehen.

Vier Kinder mal jeweils drei Jahre, ergibt 12 Jahre fern vom Arbeitsmarkt. Selbst, wenn Frau nach über 12 Jahren dann wieder den Mut findet, sich in den Arbeitsmarkt einzugliedern, ist das mit enormen Kraft- und Zeitaufwand verbunden und die Kinder sind ja auch noch da, die trotz allem noch eine Mutter brauchen. Ein Balanceakt, der einem die letzten Kräfte rauben kann.

Ich verstehe die Politik, die das verhindern möchte, die die Frauen möglichst schnell wieder in den Arbeitsmarkt integrieren wollen, damit eben dieses Szenario nicht geschieht.

Was hat der Nachwuchs davon? Frühe „Förderung“ in Kleinstkinder- Betreuungseinrichtungen. Keine Mama in der Nähe, die einen liebevoll in den Arm nimmt, wenn man traurig ist, wenn man nicht weiß, was los ist, wenn man sich schlecht fühlt, wenn niemand einen versteht… usw. Eine Erzieherin kann das nicht übernehmen! Eine Erzieherin ist ein Mensch für die Betreuung des Kindes, aber diese Erzieherin ist keine Bindungsperson. Diese Erzieherin ist nach spätestens ein paar Jahren wieder weg und die nächste Betreuungsperson kommt…

Wie oft kommen meine Kleinen zu mir, einfach nur, um bei mir zu sein. Um von mir umarmt, geküsst, geherzt zu werden. Einfach nur, damit sie wissen- Mami ist da und hat mich lieb!

Wie oft geh ich einfach an meinen Kindern vorbei, streiche ihnen übers Haar, gebe ihnen ein Bussi, sag ihnen, dass ich sie lieb hab? Unzählige Male am Tag. Einfach nur, damit sie wissen, Mami ist immer für sie da, damit sie sich sicher und geborgen fühlen.

Es geht hier nicht darum, mit den Kindern unter tags 1000 Aktivitäten zu machen, sie ständig „fördern“ zu müssen mit Nachweis, was man alles gemacht hat. Nein. Es ist das ganze normale Leben. Alltag. Familie. Bindung.

Wer unterstützt mich dabei? Im Grunde niemand. (Mein Mann ab Abend und meine Schwiegermutter, wenn ich sie darum bitte) Ich bin auf mich alleine gestellt. Ich habe es mir so ausgesucht.

Selbst wenn ich irgendwann wieder den dringenden Wunsch verspüren sollte, arbeiten zu gehen, werde ich es tunlichst vermeiden in meinen ursprünglichen Beruf- der Altenpflege wieder zurückzukehren. Ich habe gut verdient. Konnte mich in den letzten Jahren vor den Kindern nie über meinen Verdienst beschweren. Klar, mehr kann es immer sein, aber man muss auch mal zufrieden sein! Aber dieser psychische und physische Stress in der Pflege? Nein! Nie wieder! Das ist schlimmer, als mit drei kleinen Kindern zu Hause. Gut, da hatte man wenigstens Feierabend, irgendwann und somit irgendwann seine Ruhe, aber das ist es mir nicht wert.

Stress auf Arbeit. Stress zu Hause. Kinder in eine Betreuungseinrichtung bringen/ holen. Essen richten. Wäsche waschen. Haus sauberhalten. Kinder noch ein bisschen Familienleben gönnen. Selbst noch irgendwas Richtung freie Zeit genießen. Freundschaften pflegen/ erhalten. Ehe erhalten.

Das soll toll sein???

Ich verstehe die Frauen nicht, die das machen WOLLEN. Warum? Nur, damit die Gesellschaft meint, sie seinen fleißig? Nur, weil sie meinen, sie hätten einen Ausgleich damit? Gut, bei einem Bürojob, in dem man mehr Kaffeekränzchen abhält als produktiv zu sein (Achtung! Übertreibung!), ist das eventuell möglich, aber in meinem Beruf ganz sicher nicht.

Zu Hause ist für mich ein Ort in dem man sich Geborgen fühlt, in den man sich zurückziehen kann, ein Ort an dem immer jemand da ist um einen zu trösten oder Freude zu teilen.

Eine Burg. Ein sicherer Hort. Sicherheit.

Niemand darf dort eindringen, ohne Erlaubnis. Ich bin die Herrscherin dieser Burg und diese werde ich verteidigen, koste es, was es wolle. Mama Löwe.

Unsere Kinder sollen hier sein können, wie sie sind, wie sie wollen.

Unsere Regeln. Keiner hat das Recht uns die Regeln vorzuschreiben, wie wir unsere Kinder erziehen oder was wir unseren Kindern mit auf den Lebensweg mitgeben. Es ist unsere Verantwortung.

Ich hoffe und bete, dass wir es gut machen und unsere Kinder zu gesunden, verantwortungsvollen, liebevollen, wertschätzenden, fleißigen Menschen heranwachsen, die immer ein Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer Mitmenschen haben.

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Aber das ist finanziell nichts wert…

Erzieherinnen werden bezahlt, dass sie auf eine Gruppe Kinder aufpassen. Springen von einem Kind zum nächsten und versuchen allen gerecht zu werden. Ein stressiger Beruf, ich höre es immer wieder.

Warum ist dann die Mutter, die ein oder mehrere Kinder zu Hause betreut keinen Cent wert?

In einem früheren Beitrag schrieb ich schon einmal über Rentenanspruch für Mütter