Der liebe Nachwuchs

Ich bin Mama, wie ihr wisst.

Bevor ich zu diesem Titel kam hatte ich keine Ahnung von Kindern, wirklich nicht die geringste Ahnung. Im Gegenteil, das Objekt Kind, so süß und lieb ich es zeitweise fand, war mir höchst suspekt. Ich verstand es nicht und die Kleinkinder die ich kannte, nervten nach kürzester Zeit.

In meinen Teenagerjahren wollte ich mal Geld mit Babysitten dazuverdienen, konnte mich innerlich jedoch nicht dazu durchringen, dies auch tatsächlich in Angriff zu nehmen. Ich hatte keine Ahnung, was ich mit den Kindern anfangen sollte!

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Dann wurde ich zum ersten Mal schwanger…

Gewollt, muss dazu gesagt sein.

Diese tollen Gefühle, von denen immer alle schreiben und berichten, stellten sich bei mir erstmal nicht ein. Dieser „Nestbautrieb“, dass man auf einmal alles für sein Kind umstellen, kaufen, vorbereiten muss, war mir erstmal fremd.

Gegen Ende der Schwangerschaft fühlte ich mich genötigt diesem Nestbautrieb nachzugeben und ging Babykleidung shoppen. Zurück kam ich mit einem Body in der Größe 86 und war ganz begeistert. Erst als das Kind da war checkte ich, dass dieser niedliche kleine Body noch viel zu groß war und ich wirklich nie eine Vorstellung davon hatte, wie klein so ein Baby am Anfang wirklich ist.

Wir ich mich im ersten Jahr mit Kind gefühlt habe, könnt ihr ansatzweise in einem meiner letzten Beiträge nachlesen: Geburt/en und Leben danach

Das erste halbe Jahr verging. Allein daheim mit Kind, mein Mann ganztags beim arbeiten, ich nervlich am Ende und mein bester Freund war das Internet. Ich begann alles über Elternschaft durchzulesen. Jeder Blogbeitrag oder Artikel, der mir zu dem Thema unter die Finger kam wurde durchgelesen. Mach ich übrigens heute auch noch, nur dass ich mehr selektiere, was ich lese.

Beste Schwiegermama ever!

Es war ein riesiger Haufen an Informationen, die oft so gravierende Unterschiede aufwiesen, dass ich vollkommen verunsichert war. Zum Glück hatte, bzw hab ich immer noch, meine äußerst bodenständige Schwiegermama, die mir gerade am Anfang mit dem Baby viel erklärte und beibrachte. Sie erklärte mir z.B., was nach Bedarf stillen heißt, wie man Babys mit ihren Signalen richtig verstehen kann und so weiter und so fort. So jemand wünsche ich übrigens für jeden am Anfang. Leider war ich auch oft eingeschnappt, weil ich dachte, sie würde mich bevormunden mit meinem Baby. Im nachhinein bin ich froh, ja überglücklich, denn ohne sie, wäre vermutlich alles viel schlimmer für mich gewesen…

Dann… Kam das Thema Kinderbetreuung und ich vernahm von einigen Seiten, dass sie ihre Kinder mit einem Jahr oder sogar unter einem Jahr sogar schon in Betreuung geben, um wieder arbeiten gehen zu können. Ok, fairerweise, davon hab ich schon vor der Schwangerschaft gehört, war zwar befremdet davon, machte mir darüber jedoch nie wirklich Gedanken- es gehörte nicht zu meinem Leben.

Jetzt war ich selbst in der Situation. Mein Sohn war ein halbes, ein dreiviertel, ein Jahr… In dieser Zeit hatte unsere damalige Nachbarsfamilie ihren Sohn schon in eine Spielgruppe gebracht, damit die Mutter wieder zum arbeiten gehen konnte. Ich muss zugeben, ich hab mir ziemlich das Maul über diese Frau zerrissen. „Karriere vor Kind? Geht’s noch? Naja… Typisch Ossi-Frauen, die sind halt so…, die kennen es nicht anders….“

Nach und nach stellte sich heraus, dass diese Einstellung inzwischen nicht mehr nur ehemals ostdeutsche Bürger betraf, sondern dass es mittlerweile völlig legitim und normal geworden ist, dass man auch in den katholisch-westdeutschen Regionen und ja auch im katholischen Vorarlberg, die Kinder ab einem Jahr in Betreuung gibt, damit Frau wieder arbeiten gehen kann.

Entsetzen? Entsetzen!

Für mich war immer klar, ab ca. drei Jahren in den Kindergarten, davor zu Hause bei Mama. Es war einfach normal. So bin ich aufgewachsen. Ab drei dann vormittags Kindergarten, nachmittags freies spielen draußen oder im Haus, je nach Wetterlage mit meinen Geschwistern. Meine Mutter schmiss den Haushalt und kümmerte sich um uns. Mein Vater, der im Schichtdienst tätig war, war am Vormittag oder am Nachmittag da und kümmerte sich bei Bedarf auch um uns.

Leider, ja leider… Machen das die meisten Mütter dies hier nicht vollständig freiwillig, also arbeiten gehen…

Die meisten wünschen sich von Herzen, sie könnten zu Hause bleiben bei ihren Kindern, vor allem die jüngere Generation möchte das wieder vermehrt, da Familie wieder einen höheren Stellenwert einnimmt. Sie wissen, dass es für die Entwicklung des Kindes, für die Bindung an die Familie, an die Eltern, enorm wichtig ist, dass ein Kind mindestens die ersten drei Lebensjahre überwiegend bei den Eltern verbringt. Wer mir das nicht glaubt, es gibt inzwischen viele gute Studien über die Bindungstheorie, die alle wissenschaftlich anerkannt sind. Einfach mal die Netz-Suchmaschine in deinem Browser durchforsten…!

Viele sind finanziell völlig überlastet. Kredite durch Haus-, Wohnungs-, Einrichtungs- und/ oder Autokauf, die es nicht zulassen, mit nur einem Einkommen durchzuhalten, bis die ersten drei Lebensjahre abgeschlossen sind.

Traurig!

Es ist nicht einfach, sagt keiner, besonders, wenn man einen hohen Lebensstandard gewohnt ist. Wir haben vor unseren Kindern auch gut sehr gut gelebt. Zwei volle Einkommen auf dem Konto. Gelebt wie die Made im Speck: Im Winter oft Skifahren, Wellness, Sauna, im Sommer Urlaub mal hier, mal da, ohne dass man sich um die Finanzen verkopfen musste. Es war schön, ohne Frage! Ich denke gerne daran zurück, aber nicht mit Wehmut, sondern als eine schöne Erinnerung die vielleicht irgendwann wieder Realität wird, wenn die Kinder größer sind.

Was sind schon drei Jahre für jedes Kind, wenn man die Länge des ganzen Lebens ansieht???