50 Shades of #MeToo

Tagsüber entgeistert #MeToo Geschichten auf Social Media lesen und sich abends in den dritten Teil von „50 Shades of Grey“ setzen? Scheinbar kein Widerspruch für viele Frauen!

#MeToo in aller Munde

Inzwischen dürfte jeder Mensch mit Internetzugang die Sexismus-Debatte mitbekommen haben, bei der Frauen ihre Erlebnisse unter dem Hashtag „MeToo“ teilen. Da sind schlimme Geschichten dabei, bei denen es einem kalt den Rücken runter läuft. Hier könnt ihr ein paar lesen (Englisch).

Aber leider gibt es da auch als „Alltags-Sexismus“ bezeichnete Nebensächlichkeiten. Z.B dass man bei einer Staatssekretärin eine ältere Dame erwartet und von einer jungen (und auch noch schönen) Frau überrascht wird *klick*.
Also ich hätte mich ja einfach über das Kompliment gefreut 😉

Viele Männer – und auch Frauen – fühlen sich durch diese Debatte verunsichert. Was darf man heute noch zu Frauen sagen, ohne sexistisch zu sein?
Darf ich z.B. als Mann einer Kollegin die Tür aufhalten oder sagen, dass ihr die neue Frisur gut steht? Oder gar, dass sie sie jünger wirken lässt?
Welche Bemerkungen von männlichen Kollegen kann ich als Frau „hinnehmen“? Welche sind deplaziert? Und soll ich die Kollegen dann darauf aufmerksam machen?

Sexismus und Frauenfeindlichkeit existieren auch bei uns, immer noch, keine Frage. Aber: muss man wirklich bei Hinterherpfeifen, einem misslungenen Kompliment oder einer plumpen Anmache gleich „Sexismus!“ schreien?

Einen guten Artikel zu diesem Dilemma habe ich bei der Zeit gefunden *klick*

metoo-2859980_1920

Weinstein, Wedel und Co.

Angefangen hat die #MeToo-Welle ja durch die Enthüllungen rund um den US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein, der von dutzenden Frauen unter anderem der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung beschuldigt wird. *klick*

Davon angestoßen kam es auch in der deutschen Filmbranche zu einem Skandal rund um den Star-Regisseur Dieter Wedel. Die Vorwürfe gegen ihn gehen weiter zurück, bis in die 1970er und 80er.

Das sind schlimme Geschichten und auch ich finde es furchtbar, wie gerade in der Filmbranche oft mit Frauen umgegangen wurde – und teils auch heute noch wird.

Pamela Anderson hat in einer US-Talkshow ein Interview gegeben, in dem sie sehr offen über ihre Erfahrungen in Hollywood spricht. Z.B. dass man ihr schon viel materielles und auch Filmrollen im Gegenzug für sexuelle Gefälligkeiten angeboten hat.
Unter anderem sagt sie auch, dass man als Frau seinen „gesunden Menschenverstand“ einsetzen muss. Wie z.B. einfach wegzugehen, wenn jemand seine Zimmertüre im Bademantel öffnet.
Und natürlich war es allgemein bekannt, dass man bestimmte Produzenten und Personen in Hollywood privat lieber meiden sollte. (Kurier-Artikel, Original Video in Englisch)

Für diese Aussagen wurde sie scharf kritisiert. Meiner Meinung nach hat sie vollkommen recht. Wir Frauen haben doch ein Bauchgefühl für solche Situationen. Scheinbar haben viele aber verlernt, auf dieses Bauchgefühl zu hören.
Oder sie werden eben von diesen furchtbaren Menschen so unter Druck gesetzt, dass sie sich nicht mehr zu helfen wissen, was gerade in der Filmbranche leider auch gerne passiert. Wenn es dann vielleicht auch noch eine junge Frau trifft, die nicht so willensstark ist und Angst davor hat, aus diesen Kreisen ausgestoßen zu werden, bevor ihre Karriere richtig begonnen hat… armes Ding.

Wir Mütter müssen unsere Töchter unbedingt in ihrem Selbstwertgefühl stärken und ihnen beibringen, auf ihr Bauchgefühl zu hören, falls nötig Vorkehrungen zu treffen und klare Grenzen zu ziehen.

 

50 Shades of Grey – romantisch oder sexistisch?

handcuffs-2726660_1280

Wie ja jeder weiß, sind diese Romane berühmt für BDSM.

Hier muss ich erstmal festhalten, dass ich weder die Bücher gelesen noch die Filme gesehen habe. Alleine die Beschreibung und der Trailer haben mir gereicht um festzustellen: „Niemals nie tu ich mir das an!“ Mag sein, dass es Leute gibt, die auf sowas stehen, aber ich brauche das nicht.

Die Bücher haben sogar heftige Kritik einstecken müssen, was ich bis zu meiner Recherche für diesen Blog-Artikel gar nicht wusste! So „neutral“ wird also darüber berichtet 😉

Zum Beispiel schreibt die britische Erotikautorin Sophie Morgan, dass es absolut keine BDSM-Romane sind. Die Figur Christian Grey übe stattdessen häusliche Gewalt aus, sowohl psychisch als auch physisch. Es werde Missbrauch darin beschrieben statt BDSM.

Interessant finde ich auch den Ansatz der israelische Kultursoziologin Eva Illouz, die der Frage nachging, warum diese Bücher bei Frauen so einen großen Erfolg haben. Sie sieht die Ursache dessen in der Unsicherheit über die Rollenverteilung in modernen Beziehungen.
(Für weitere Infos siehe Wikipedia)

Auf Social Media habe ich mehrere kritische Beiträge gelesen, die davon sprechen, dass diese Bücher Missbrauch und sogar Vergewaltigung romantisieren, und ein absolut frauenfeindliches Bild verbreiten.
Unter anderem von der Organisation Fight the new Drug, die sich zum Ziel gesetzt hat, auf den umfangreichen, schlechten Einfluss von Pornographie auf unser Sexualverhalten aufmerksam zu machen. Sie kritisieren die Bücher und Filme heftigst!

So haben sie zB auch ein Quiz erstellt mit zehn Geschichten von Frauen, die belästigt, bedrängt und sogar vergewaltigt wurden, und man muss als Leser raten, ob diese Geschichte aus einem der Shades of Grey-Romane stammt oder wirklich einer Frau passiert ist. Ich konnte es nicht unterscheiden, 4 von 10 hatte ich zufällig richtig getippt!

Willst du das Quiz auch ausprobieren? Dann klick mal hier (Englisch!)

 

#MeToo und Shades of Grey – der Widerspruch schlechthin

Ich kann es ehrlich gesagt nicht verstehen. Tagsüber liest man entgeistert unter dem Hashtag #MeToo Geschichten von Frauen, die unmenschliches erlebt haben (oder auch einfach ein plumpes Kompliment bekommen haben, siehe oben), es gibt einen riesen Aufschrei und die Sexismus-Debatte wird wieder einmal neu belebt.

Und dann geht man Abends in einen Film, der genau DAS ALLES romantisiert, was man tagsüber als Sexismus kritisiert. Der ein frauenfeindliches und unnatürliches Bild von Sexualität verbreitet.
Häusliche Gewalt verurteilen und sich aber gleichzeitig wünschen, dass der eigene Mann einen fesselt und schlägt. Das grenzt doch schon an Schizophrenie 🤔 Oder versteh ich das vielleicht einfach nicht? Jedenfalls kriegt mein Hirn da keine logische Erklärung für hin 🤷🏻‍♀️ Ich frage mich gerade, wie es den Männern geht, deren Frauen nach dem Lesen dieser Bücher unbedingt mal sowas ausprobieren möchten. Mein Mann zum Beispiel käme nie auf die Idee, mich zu schlagen. Das hat für ihn nichts mit Liebe zu tun.

Wie oben schon geschrieben: es mag Menschen geben, die auf sowas stehen. Soll jeder machen was er will, leben und leben lassen 😉
Aber komisch ist es schon, dass gerade diese zwei so absolut widersprüchlichen Sachen gerade gleichzeitig so „gehypt“ werden.

3 Kommentare

  1. Ob eine Frau Spanking mag oder nicht hat doch nichts mit Sexsismus zu tun. Persönliche Vorlieben sind individuell und keine Einladung zu Diskriminierung. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen individuellen Vorlieben dem Ausleben dieser in der Partnerschaft und dieser schrägen Debatte mit der Tendenz zur Verallgemeinerung. Auch der Erfolg des Films hat wenig mit den tatsächlichen Wünschen zu tun. Schließlich will jemand der einen Zombiefilm schaut ja auch nicht zum Zombie werden.

    Gefällt mir

  2. Guten Abend!
    Drum hab ich ja geschrieben: Leben und leben lassen 😉 Sexuelle Vorlieben sind Privatsache und mir ist absolut egal, was andere Menschen in ihren Schlafzimmern anstellen.

    Was den Film betrifft: Ich hab mich in die Story eingelesen (einzelne Szenen etwas detaillierter). Auch in begeisterte Kommentare und Rezensionen, die diese Filme/Bücher romantisieren. Mag sein, dass manche den Film wegen der Story anschauen, aber vielen geht es auch um die Sex-Szenen.
    Und ich kann das nicht verstehen. Was ich gelesen habe waren keine sexuellen Neigungen, denn dabei haben alle Beteiligten Spaß. Das war psychischer und körperlicher Missbrauch.
    Und das schauen sich viele Junge Frauen (und wohl auch Männer) an. Dass Medien uns beeinflussen ist nicht von der Hand zu weisen, und genauso bleibt dies in den Köpfen hängen.

    Noch mag es vielleicht keinen sichtbaren Zusammenhang zwischen den beiden Sachen geben. Aber ich befürchte, dass er 1) jungen Männern suggeriert, dass es okay ist, so wie Grey mit einer Frau umzugehen. Schließlich schauen sich scheinbar viele Frauen ganz begeistert an, was er da so treibt.
    Und 2) Frauen etwas ausprobieren, was ihnen vielleicht gar nicht gefällt, und sie schlimme Erfahrungen machen, wenn sie den falschen Partner für dieses Experiment erwischen.

    Gefällt 1 Person

    • Das ist das Problem mit dem ausprobieren, das Ergebnis kann vom Traum abweichen. Aber wer nichts mehr ausprobiert ist schon tot.
      Es ist ein Film/Buch eine Fiktion keine Doku. Wie viele Filme kennst du in denen es allen Spaß macht? Es gab nicht einen Toten, keine Schwerverletzten…..da ist das Aschenputtel Märchen gewalttätiger.
      Den falschen Partner wählen viele auch ohne BDSM. Das Risiko ist aber im BDSM Kontext überschaubar. Es gibt klare Absprachen und keine unkontrollierte Gewalt.

      Trotzdem, da hast du Recht, haben die beiden keine gemeinsame Basis auf diesem Gebiet und damit ist es keine wirkliche Beziehung im BDSM Kontext. Schlecht geschrieben außerdem.

      Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.