Unbeschwerte Kindheit

Ich hatte, zusammen mit meinen drei Brüdern, wirklich eine vollkommen unbeschwerte Kindheit. Wir mussten uns um nichts Sorgen machen. Wir hatten genügend Platz zum wohnen und zum Spielen. Relativ wenig Einschränkungen und konnten uns ausleben, so wie wir wollten.

Ich bin ein Dorfkind

Wir waren, sobald Schule und Hausaufgaben erledigt waren, nur draußen im Freien. Fernseher hatten wir keinen und Computer gab es damals bei uns auch noch nicht. Wenn es Essen gab, ging ein Schrei meiner Mutter durchs Dorf. Hat alle beim Namen aufgezählt und das wir Essen kommen sollen. Dann wussten wir, jetzt muss es schnell gehen… 🙂

Freies Spielen

Ansonsten sind wir den ganzen Tag durch die umliegenden Wiesen und Wälder gestreunt, haben uns Baumhäuser und Höhlen gebaut, haben Bachwanderungen unternommen- sind stundenlang durch die kleinen, umliegenden Bäche gewatet. Haben vor dem Haus auf der Straße unsere Skateboard- und Inlineskateparks aufgebaut. Autos kamen ohnehin äußerst selten und wenn dann, warteten die halt kurz, bis wir schnell alles abgebaut, nur um alles gleich wieder hinzustellen. Die Jugendlichen im Dorf haben mit ihren Autos oder Mopeds ihre Stunts auf der Dorfstraße geübt. Wir jüngeren Kinder waren ganz begeistert und haben mit leuchtenden Augen zugesehen. Auf dem Feld nebenan, wenn die Bauern den Mist ausgebracht, oder die Wiesen abgemäht haben, waren wir an vorderster Front mit dabei. Vor- und hinter dem Haus ein Brunnen, der im Sommer immer für eine Abkühlung gut war. Wasserschlachten, schnell in Brunnen springen zur Abkühlung- Traumhaft!

Und das Beste am Sommer- Kuhfladenwaten! 😀 Wenn die Kühe am Abend in Stall zum melken getrieben wurden, sind wir aufs Feld und durch die warmen Kuhfladen gewatet. Klingt ekelig, war aber richtig tolles Gefühl, wenn es gegen Abend kühl wurde. Danach in Brunnen, Füße waschen und gut ist es gewesen. Tja… Sowas erlebt man als Stadtkind eher selten… 😉

Bei der Nachbarin gab es regelmäßig Süßigkeiten und wir durften uns durch Rasen mähen oder kleinere Gartenarbeiten unser Taschengeld aufbessern.

Nicht zu vergessen, die stundenlange Spaziergänge allein mit unserem Hund (ohne Handy!!!), ohne das mir irgendein Mensch begegnet ist. Traum!

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Das ist das, was mich an der Stadt am meisten stört- die vielen Menschen. Man kann keinen Schritt außerhalb den eigenen vier Wänden tun, ohne das man irgendeinen anderen Menschen sieht. Ja, ich bin gerne alleine, sehr gerne sogar. Im Grunde bräuchte ich 80% vom Tag keinen anderen Menschen um mich. Ab und zu ist es ganz nett, wenn man jemand zum reden hat. Aber immer reden oder Interaktion mit anderen Menschen? Horror! Ok, ich hab meine Kinder jetzt ständig um mich herum. Aber, das ist eigen Fleisch und Blut… Daran gewöhnt man sich…. 😉

Aufsicht? Fehlanzeige. Es ist auch nie was gröberes passiert. Und wenn man mal von einem Baum runtergefallen war, dann war es halt so, oder sich die Knie beim Inlineskaten aufgeschürft hat. Schnell ein Pflaster bei Mama geholt und weiter geht’s!

Das war vor gut 20 Jahren…

Dieses Leben wünsche ich mir für meine Kinder auch.

Mein Mann kennt es leider nur sehr begrenzt und meint immer, sowas gibt es doch heutzutage gar nicht mehr….

Doch gibt es! Aber dafür muss man bereit sein, hier wegzuziehen. Was ich lieber heute als morgen tun würde. ich würde liebend gerne auf den „Luxus“ einer gut funktionierenden Infrastruktur verzichten, wenn ich dafür die Freiheit für mich und meine Kinder hätte.

Heute kann man sich ohnehin fast alles, was man braucht, im Internet bestellen. Und sonst… Fährt man halt in die nächste Stadt zum einkaufen. Dies hat meine Mutter einmal in der Woche gemacht. 20 km in die jeweils nächste Stadt. Gut, einen Dorfladen gab es im nächsten Dorf, aber da wurden eigentlich nur aller notwendigste Besorgungen gemacht.

Meine Mutter war den ganzen Tag zu Hause, hat sich um Haus, Garten und uns Kinder gekümmert. Mein Vater war für Renovierungs-, Sanierungs- und Reparaturarbeiten (von denen es reichlich gab) und für den Lebensunterhalt zuständig.

Wir hatten nur ein Auto. Sprich, wir hatten nicht den Luxus, das unsere Mutter uns ständig überall hinkutschieren konnte (so wie das die „modernen“ Stadtmuttis tun). Wenn wir irgendwo hin wollten, dann mussten wir selber sehen, wie wir dahin kommen. Als ich dann mit 16 meinen Rollerführerschein hatte, war das dann kein Problem mehr. Das Geld für Benzin und Versicherung verdiente ich mir durch einen Wochenendjob im Krankenhaus dazu. Ich ging ja noch zur Schule. Meine Ausbildung begann mit 18 und pünktlich zum 18ten war auch der Autoführerschein da. Ein altes Auto für € 300,– war mein Start. Mein Vater hat mir dann noch gezeigt, wie man Reifen wechselt, wie man den Ölstand kontrolliert, wie man Reifen aufpumpt, wie man die Batterie wechselt… ect. „Eine Frau muss sowas können!“

Mein Vater hat mir allgemein viel handwerkliches beigebracht. Bohrmaschine, Presslufthammer, Hammer, Kreissäge, Beil/ Axt, Motorsäge, Holzspalter, malen/ streichen… War alles bei uns zu Hause vorhanden und wir Kinder durften/ mussten ausprobieren und mithelfen.

Dafür hat das Hauswirtschaftliche bei mir arg gelitten… Das musste ich mir später mühsam alles selber beibringen. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und jetzt… bin ich fast schon Profi 😉

Ja… Ich habe gelernt mich selbst zu versorgen und bin schon relativ früh selbstständig gewesen und darauf auch unglaublich stolz. Auch dank meiner Eltern, die mich bzw. uns nie verwöhnten. Wenn wir etwas wollten, mussten wir unser Taschengeld sparen oder es uns selbst verdienen. Zum Geburtstag oder zu Weihnachten gab es dann notwendige Dinge.

In die Schule kamen wir mit dem Bus. Kindergarten und Grundschule waren im nächsten Dorf. Die höheren Schulen in den nächst größeren Städten. Morgens musste man eine halbe Stunde für Transfer- und Busfahrten einrechnen. Die Eltern dort brachten niemand selbst in die Schule.

Ja… Ich liebe das Land- bzw Dorfleben. Dort hab ich mich frei gefühlt und ich hoffe und bete, das ich bzw. wir das unseren Kindern auch bald ermöglichen dürfen.

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