Die perfekte Frau

Ein sehr ehrlicher Blogbeitrag.

Ich habe gerade eine schwierige Zeit hinter mir. Ich war depressiv. Nach außen wollte ich mir das nicht anmerken lassen, aber natürlich hat mein Mann es doch gemerkt. Ich war oft schlecht drauf und reizbar.

Nicht, weil mein Mann durch seine Selbstständigkeit wenig zuhause war, das bin ich schon gewohnt.

Nicht, weil der Schulstart des Großen und die neue Routine mit den Kindern so anstrengend und ich zeitweise überfordert war.

Nicht, weil wir nach über zwei Jahren in dieser Wohnung immer noch nicht alle Zimmer fertig eingerichtet haben und unser Arbeitszimmer eine Baustelle ist.

Das alles sind nur äußere Umstände, die nichts mit meinem Inneren zu tun hatten.

Schlecht ging es mir nur, wegen einem fatalen Fehler, den viel zu viele Frauen und Mütter begehen:

Ich habe mich selber fertig gemacht

Ich konnte meinen eigenen Ansprüchen nie gerecht werden. Die unecht perfekten Fotos von anderen Mamas auf Instagram haben dabei nicht wirklich geholfen… Und mein Versagen habe ich mir selber immer und immer wieder vorgehalten…

Wenn die Küche sauber war, habe ich „meine Kinder vernachlässigt„.

Habe ich mir mehr Zeit für die Kids genommen und hing mit dem Haushalt hinterher, war ich „zu blöd, um wenigstens DAS auf die Reihe zu bekommen„.

Die Stimme in meinem Kopf klang in etwa so:

„Schau dir mal die Bilder von anderen Mamas auf Instagram an. Die kriegen das doch auch hin, dass ihre Wohnungen perfekt sauber und dekoriert sind.“

„Schon wieder Süßes?! Kannst du nicht einmal NEIN sagen? Du bist ja sowas von undiszipliniert…“

„Stell den Wecker ruhig 30 min früher. Kannst dich eh wieder nicht aufraffen, um Sport zu machen. Du bist und bleibst ein Morgenmuffel…“

Warum?!

Warum machen wir Frauen das?

Warum reden wir dermaßen negativ mit uns selbst und machen uns fertig?!

Ich bin bei weitem nicht die einzige, da bin ich mir leider sicher. Man ist ja bekanntlich selbst sein größter Kritiker.

Mein Kopf weiß ja eigentlich: die perfekte Frau, Hausfrau und/oder Mutter GIBT ES NICHT!

Aber mein Herz hat das wohl noch nicht ganz begriffen.

Man würde meinen, 30cm ließen sich leichter überbrücken.

Es ist ein Lernprozess

Die letzten Wochen habe ich viel gelernt.

Über mich selbst. Meine Schwächen. Meine Fehler.

Es hat weh getan. Manchmal verdammt weh.

Aber ich arbeite mit dem Schmerz. Ich lerne.

Mein Mann hilft mit dabei. Der arme Kerl muss einiges aushalten 😉

Manchmal reicht ein einziger Satz

Ausschlaggebend für mein Umdenken und das bewusste Wahrnehmen meiner negativen Vehaltensmuster war ein Buch.

Ich wollte schon länger unseren Haushalt optimieren und habe mich auf Facebook bei mehreren Themen-Gruppen dazu angemeldet. Dort wurde so oft das Buch „die magische Küchenspüle“ empfohlen und davon geschwärmt, dass ich es mir dann auch bestellt hab.

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Die magische Küchenspüle* ist kein typischer Haushalts-Ratgeber. Die Autorin Marla Cilley schreibt selber:

Die „magische Küchenspüle“ handelt nicht vom Saubermachen. Es geht darum, wie ihr Leben schöner wird und wie Sie sich einem viel wichtigeren Ziel annähern: dem Ziel zu FLIEGEN* – und sich selbst (endlich) zu lieben!… (S. 21)

*Englisch FLY für „Finally Loving Yourself“

Cilley war mir sofort sympathisch. Sie schreibt sehr ehrlich von ihren eigenen Problemen mit Disziplin und Haushalt. Ich habe mich sofort darin wiedergefunden. Und das, ohne mich für meine vermeintliche Unzulänglichkeit verurteilt zu fühlen.

Ich fühlte mich verstanden. Mit jedem Absatz mehr.

Dann kam ich zu diesem Satz:

Ich weiß genau, dass Sie alles andere als faul sind, und dass es lediglich einiger konkreter Anleitungen bedarf, um Sie auf die richtige Spur zu bringen. (S. 39)

Das brachte mein inneres Fass zum überlaufen und ich heulte los.

Auf einmal wurde mir bewusst, wie wahr das ist. Ich bin nicht faul, auch wenn ich mir das selber immer wieder eingeredet habe. Ich bin nur ein überforderter Perfektionist, der sich schlechte Gewohnheiten angeeignet hat.
Auf einmal fiel eine riesen Last von meinen Schultern.

Vielleicht ist das jetzt für manche nicht nachvollziehbar. Wie oft habe ich schon Sätze gelesen und gehört von ordentlicheren, disziplinierteren Personen, die klingen dann in etwa so:

Du musst dich einfach nur mal regelmäßig zum Sport aufraffen…

Das geht doch ganz einfach mit dem Haushalt, du musst nur….

Du musst doch einfach nur weniger Süßes essen…

Du musst halt einfach disziplinierter sein!

…einfach…

Aber für mich IST das alles nicht so „einfach“. Mir fällt das alles sogar richtig schwer. Woran es liegt weiß ich nicht. Vielleicht finde ich das noch heraus, mal sehen 😉

Die innere Einstellung zählt

Jetzt arbeite ich an meiner inneren Einstellung und bemühe mich, liebevoller mit mir selber und anderen umzugehen. Ich nehme mir regelmäßig kleine Auszeiten vom Alltag, lade meine „Akkus“ auf und tue mir was gutes.

Und ich ändere meine täglichen Gewohnheiten in MINI-Schritten, wie Cilley es immer wieder betont. Mein Haushalt läuft schon leichter von der Hand und meine Laune hat sich um einiges gebessert. Und ich habe das Buch noch nicht mal halb durch 🙂

Ich habe übrigens auch die Profile, denen ich auf Instagram folge, ausgemistet, und bin allen entfolgt, deren Bilder und Texte gestellt wirkten und unrealistisch perfekt waren. Wieso soll ich mich davon runterziehen lassen 😉

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An alle anderen, unperfekten Frauen und Mütter da draußen:

Lasst euch nicht von online-Scheinwelten und unrealistischen Ansprüchen fertig machen! Seid nachsichtig mit euch selbst, tut euch hin und wieder was Gutes und glaubt an euch – und ignoriert die innere Stimme, die euch das Gegenteil einreden will 😉


*Werbelink/Affiliatelink

 

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