Geburtsbericht: Geburt Nr. 3

Wie ich in einem früheren Artikel von mir schon mal geschrieben hatte Der Schreiberling in mir verarbeite ich meine Gedanken, Gefühle, Erlebnisse mit Schreiben. Und da es scheinbar grad modern ist, seine Geburtsberichte zu veröffentlichen… Jedenfalls wurde mir der Eindruck so auf Instagram vermittelt… 😉 Berichte ich nun über Geburt von Kind Nummer drei.

Here we go!

Hier also das Verarbeiten meiner dritten Geburt: Sie war nicht schön für mich. Ganz im Gegensatz zu meiner Zweiten, aber sie brachte etwas wunderschönes zu Tage, meine kleine, süße Tochter!

Meine Geburtsgeschichte

Den errechneten Termin hatte ich am 31. August. Der Termin kam, aber das Baby nicht. Es folgten engmaschige Kontrollen im Krankenhaus, um sicherzustellen, dass es dem Kind gut geht. Routine, jedoch Stress für mich! Hochschwanger alle paar Tage ins Krankenhaus… Am Tag 8 stand für die Ärzte fest: Sie müssen mich einleiten. Ich wollte aber nicht! Also zögerten sie es bis Tag 10 nach Termin hinaus. Am Sonntag Morgen sollte dann entschieden werden, ob ich jetzt nun eingeleitet werde oder nicht. Ich sträubte mich mit Händen und Füßen dagegen, da ich das Einleitungs-Horror-Szenario von meiner ersten Geburt noch im Gedächtnis hatte.

Eine Hebamme machte mir bei den Kontrolluntersuchungen Mut: Wenn ich keine Einleitung will, können die Ärzte nichts machen.

Puh!

Gott sei Dank bekam ich dann aber am Tag 9 nach Termin abends Wehen. Ich wollte abwarten, bis die Wehen in kürzerer Taktung kamen, um ins Krankenhaus fahren zu „müssen“, und wir warteten, bis die Wehen ca. alle fünf Minuten kamen. Meine Mutter stand dann zum Glück schon parat um sich um die Jungs zu kümmern, die zu dem Zeitpunkt schon im Bett waren und nichts mitbekamen.

Die Nächte davor schlief ich wegen starker Vorwehen schlecht, unter tags war auch kein ausreichender Schlaf möglich, weil die Jungs den ganzen Tag da waren und mein Mann beim arbeiten. Ich war am Geburtsabend einfach nur hundemüde und dachte mir: Oh nein… Muss das JETZT sein??? Ich will einfach nur schlafen gehen!!!

Im Kreissaal empfing uns eine Hebamme, die mir gleich zu Beginn unangenehm war. Sie war nett und höflich aber ich hatte gleich das Gefühl- nein, ich will diese Hebamme nicht!!! 😦  (Mein Mann dachte sich das Selbe). Aber was will man tun? Eine andere herzaubern ging nicht. Die andere Hebamme, die im Dienst war, war mit einer anderen Geburt beschäftigt. Mir ging kurz durch den Kopf: „Hätte ich mich doch lieber früh genug um eine Hausgeburt bemüht! Da würde ich meine Hebamme wenigstens kennen…!“

Leider täuschte sich unser Empfinden nicht. (Ich möchte nicht die Kompetenz der Hebamme in Frage stellen. Dies ist alles meine eigene, subjektive Wahrnehmung gewesen.)

Die Wehen kamen weiterhin in sehr kurzen, regelmäßigen Abständen. Starke, schmerzhafte Wehen. Das Kind schlug mit seinem Kopf ständig vorne rechts auf das Becken auf. Der Muttermund war 6 cm offen, die Fruchtblase noch intakt und die Hebamme meinte zu mir: „Wenn die Fruchtblase platzt, rutscht das Kind mit raus. Das müsste demnächst passieren…“ Sie schaltete sogar schon die Wärmelampe am Wickeltisch an und bereitete alles für eine baldige Geburt vor… Ich dachte mir: „WOW!!! Endlich mal eine einfache Geburt!!!“ Und stellte mich auf diese Aussage ein. Die Stunden vergingen… Die Wehen weiterhin im kurzen Abständen. Das Kind schlug mit seinem Kopf weiterhin immer auf der gleichen Stelle auf. Ich hatte Schmerzen… Nicht nur Wehen… Unbeschreiblich! Das Kind wollte sich mit seinem Kopf einfach nicht ordentlich in den Geburtskanal drehen, wie die Hebamme später feststellte.

Und was machte die Hebamme die ersten Stunden? Nichts! Verließ immer wieder den Kreissaal und wenn dann lehnte sie mit verschränkten Armen an den Schränken und sah mir zu… Versuchte mir Mut zu machen, „das Kind kommt gleich… Beim dritten Kind geht es in der Regal ganz schnell…“ Ich hätte ihr eine reinhauen können! Ich konnte mich vor Schmerzen nicht mehr bewegen. Als sie mir sagte, ich soll meine Lage verändern, damit das Kind sich drehen kann, konnte ich vor lauter Schmerzen nicht mehr und verneinte. Warum hat sie mir nicht geholfen??? Warum hat sie meinen Mann nicht dazu angeleitet, mir aktiv beim drehen und Lage verändern zu helfen??? Ok, gut, sie hat mir einen Petziball (So einen Schwangerschafts- Gummiball) rein gebracht, ein Handtuch darauf gelegt- damit der wohl nicht schmutzig wird- und gemeint, ich solle mich da darauf setzen. Die Absicht war gut, damit alles in Bewegung kommt, aber in der Ausführung… Der Ball war die Hölle für mich! Einmal gesetzt und meine Schmerzen auf der rechten Seite wurden noch massiver…

Irgendwann kam sie dann auf die IDEE einen Ultraschall zu machen. Der bestätigte dann ihre Aussage, dass der Kopf sich noch um 90° drehen müsste, damit das Kind raus kommen kann. Ich wollte nicht mehr!!! Leider kam ich nicht auf die Idee, mir einfach was gegen die Schmerzen geben zu lassen. Eine PDA wäre vielleicht die Lösung gewesen, wer weiß… Mich wundert echt im nachhinein, dass dieser Vorschlag nicht von der Hebamme kam… Die machte einfach nichts!!! Der wenn und der hätte…

Aber nebenbei gesagt, die Erfahrung musste ich schon öfter machen und kenne ich aus Erfahrungsberichten von anderen: Als Patient muss man sagen was man will, sonst ist man verraten und verkauft… Blöd nur, wenn man sich nicht auskennt oder keine Kraft mehr hat und dadurch nicht sagen kann, was man will und was nicht… 

Zwischendurch hatte ich mal für kurze Zeit einen Wehenausfall, doch anstatt mich in dieser Zeit auszuruhen machte ich mir selbst Stress und sagte: „Was ist jetzt los? Das kann doch nicht sein!“ Daraufhin fragte die Hebamme mich, ob sie ein Wehenöl holen soll um mir den Bauch damit einzureiben. Ich bejahte, nicht wissend, dass dies für mich äußerst schmerzhaft war. Als sie mir den Bauch damit einrieb, versuchte sie mit den Einreibebewegungen das Kind in meinem Bauch in die richtige Lage zu bringen. Ich hätte sie erwürgen können! Das war einfach nur zusätzlich unglaublich schmerzhaft.

Dann ging es wieder los… Wehen, denke im zwei Minuten Takt, immer auf die Selbe Stelle… Rechte Beckenseite… 

Gegen 5 Uhr am Morgen hatte ich keine Kraft mehr und nach einem Kaiserschnitt geschrien. Die Antwort der Hebamme: „Das wollen sie doch nicht wirklich, oder?“ Klar WILL ICH DAS NICHT! Aber wenn einfach nach 9 Stunden NICHTS vorwärts gegangen ist, das Baby seit 9 Stunden immer auf die Gleiche Stelle mit seinem Köpfchen drückt…

Sie holte dann noch die diensthabende Ärztin herein, die versucht hat das Kind manuell zu drehen. Sprich ihre Finger ab in meine Vagina und… Keine Ahnung was die gemacht hat… SCHMERZEN!!! Während dieses Vorgangs ist auch meine Fruchtblase geplatzt. Diese war die ganze Zeit noch intakt! Die Hebamme dann zusätzlich noch auf dem Bauch herumgedrückt plus dieser sch*** Wehenschreiber und unten in mir drin die Ärztin mit ihren Fingern… Ich hab die Hand der Hebamme dann nur noch weg geschlagen und sie angegiftet. Ich wollte nicht mehr!

Gott sei Dank war mein Mann dann so geistesgegenwärtig und hat mir geholfen, meinen „Wunschkaiserschnitt“ durchzusetzen. Sonst hätten die wohl noch länger an mir herum gedoktert… Leider war die Ärztin nicht gleich verfügbar, da nebenan noch eine Frau wohl eine schwierige Geburt hatte und die Saugglocke benötigte, dadurch zog sich der ganze Vorgang mit Untersuchungen, Ultraschall, OP Vorbereitung ect unnötig in die Länge… Aber naja, das konnte ja keiner beeinflussen.

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Im OP selbst hat mich der Arzt dann auf der OP Liege hinsetzen lassen und meinte, ich solle versuchen mich zu entspannen und ihm jede Wehe ankündigen, damit er mir die Nadel ohne Probleme in den Rücken einstechen kann… Als ich mich versuchte zu entspannen, tat sich in meinem Bauch etwas. Auf einmal entleerte sich ein Schwall Fruchtwasser und die Hebamme bemerkte: „Deine Wehen sind jetzt anders, stimmts?“ Ich bejahte, machte aber keine Anstalten das ganze Szenario abzubrechen, obwohl ich es in dem Moment wahrscheinlich noch gekonnt hätte…

Was war es für eine Erleichterung, als die betäubende Wirkung des Narkosemittels endlich einsetzte! Ich fühle mich wie erlöst!!! Traumhaft!!!

Das Baby war ruck zuck draußen und es wurde mir gezeigt…

Einen Tag nach der Geburt
Meine Tochter, ein Tag alt.

Sie hatte einen Schnitt auf der linken Wange… Beim aufschneiden hatten die Ärzte sie mit dem Skapellmesser erwischt. Aber was da passiert ist, realisierte ich erst später im Zimmer, als sie mir gebracht wurde… Sie muss sich während der OP Vorbereitungen so gedreht haben, dass sie mit dem Gesicht nach oben im Geburtskanal lag. 

Sprich, WENN ich noch länger gewartet HÄTTE und vielleicht irgendwie Anleitung und Übungen zur Entspannung gezeigt bekommen HÄTTE, wäre ich vielleicht in der Lage gewesen, mein Kind normal zu gebären… Der WENN und der HÄTTE…

Der zuständige Arzt meinte, (oder war es eine Ärztin?) erklärte mir, nachdem meine Tochter draußen war, sie hätte die Nabelschnur ein paar mal um den Hals gehabt, was bei einer Spontangeburt zu Komplikationen führen hätte können…

Die zuständige Hebamme, die laut meinem Mann wohl auch fertig war, weil die Geburt nicht geklappt hat und sie vom OP Arzt noch angeblafft wurde, warum man ihn nicht früher geholt hatt, meinte dann zum ihm im nachhinein, dass das wohl die beste Lösung war. Eine Spontangeburt wäre dann noch mal ein ganzes Stück Arbeit gewesen, sprich, es hätte noch länger gedauert…

Es entwickelte sich auf meiner rechten Hüfte ein mordsmäßiges Hämatom, welches ich erst gar nicht sah, weil die Haut noch darüber lag  und ich mich nicht ordentlich bewegen konnte. Ich sah nur am Gesicht der Pflegerin, dass es wohl ziemlich krass aussah. Ein Hämatom ist eine Ansammlung von Blut unter der Haut.

Ja… Ich machte mir noch länger Vorwürfe, warum es diesmal wieder nicht geklappt hat. Ich mache mich immer selbst für meine Versagen verantwortlich. Stimmt grundsätzlich ja auch, aber manchmal kann man einfach keine Einfluss auf Situationen nehmen, da ist man der Natur oder wem auch immer, machtlos ausgeliefert. 

Nach drei Tagen im Krankenhaus (ich blieb nach den Geburten nie länger), war ich froh wieder zu Hause sein zu dürfen. In der zweiten Nacht zu Hause brach ich heulend zusammen. Wie so ein Schalter, der sich von jetzt auf nachher, umgelegt hat. Ich heulte lange und ausgiebig, mein Mann konnte mir mit seinen Worten auch nicht wirklich helfen. Aber als das alles draußen war, ging es dann langsam bergauf mit meinem Gefühlsleben. Typischer „Baby Blues“. Klar, es folgte dann noch die Hormonumstellung die darauffolgende Monate und immer wieder Gefühlseinbrüche, aber das ist ja scheinbar „normal“. Höre ich mal immer wieder von anderen Frauen.

Ende und Anfang 🙂

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