Das Mama-ICH kommt an seine Grenzen

über Mama Krise – wie ich mit eigenen Grenzen umgehe – 2KindChaos Eltern Blogazin

Heute morgen las ich den sehr inspirierenden Artikel von oben genanntem Link und möchte nun ein paar eigene Gedanken noch dazu verfassen: (Ist doch länger geworden, als gedacht… Sorry! 😉 )

Ich wurde so erzogen, dass man alles selbst schaffen muss. Wenn man versagt, ist man selbst schuld und muss seine Suppe auch selbst wieder auslöffeln. Besser gesagt, so hab ich mich erzogen gefühlt. Ich weiß nicht, ob meine Eltern dieses Kredo wirklich verfolgten, oder ob es einfach die Gesellschaft, in der wir groß geworden sind, es so gehandhabt hat.

Vergangenheit

Wir bekamen, aus der finanziellen Situation meiner Eltern heraus, nie wirklich viel Taschengeld. Für meine Eltern war es viel, für uns war es, im Vergleich zu anderen Kindern, wenig. Spezielle Wünsche, wie z.B. Spielsachen die nicht „in das Bild“ unserer Eltern passten, mussten wir uns mit unserem Taschengeld selbst erfüllen. Wenn das Taschengeld nicht gereicht hat, mussten wir halt sparen…

Als ich Teenager wurde, wurden meine Wünsche logischerweise größer und mein Taschengeld reichte hinten und vorne nicht mehr aus. Die Antwort meiner Eltern war: „Dann musst halt arbeiten gehn!“

Also begann ich mit 14, in den großen Sommerferien, einen Ferienjob, in einer Wäscherei eines Altenheimes. Es war hart… Jeden früh Morgen raus (ich hab ein paar mal verschlafen), den ganzen Vormittag in der Wäscherei. Wäsche bügeln, Wäsche zusammenlegen, einmal in der Woche Bettwäsche mangeln… Aber! Ich war am Ende der ungefähr vier Wochen (länger durfte/konnte ich nicht, weil ich ja auch noch die Sommerferien genießen sollte/wollte) ungefähr 1000 DM reicher (ca. € 500,–). Ein ordentlicher Batzen Geld für eine 14 Jährige! Ich war begeistert! Von dem Geld kaufte ich mir meine erste eigene Sony Stereoanlage und einen Eastpak Rucksack. Die Stereoanlage war ein tolles Markenprodukt und lebte bis vor ein paar Monaten noch mit mir zusammen… 😉

Ich hatte Blut geleckt und fortan, versuchte ich überall, wo es mir möglich war, Geld zu verdienen. Mit 14 ist man da noch ziemlich eingeschränkt und so beschränkte es sich, das darauffolgende Jahr, auch wieder „nur“ auf die Wäscherei im Altenheim, in den großen Ferien.

Mit 16 durfte ich meinen Rollerführerschein 50ccm machen, der wurde mir sogar von meinem Vater bezahlt! Wahnsinn! Zudem bekam ich einen nagelneuen Motorroller. Doppelt Wahnsinn! Soviel finanzielle Zuwendung war ich nicht wirklich gewöhnt, obwohl ich als älteste und einzige Tochter es wohl schon „in den Arsch geschoben bekommen habe“, im Vergleich zu meinen Brüdern. Ich bekam ein Klavier und Klavierunterricht bezahlt (was ich mit 12 geschmissen hab), durfte in den Fussballverein (obwohl meine Eltern gegen Vereine waren), bekam den oben genannten Rollerführerschein und Roller bezahlt, bekam Zuschuss zu meinem Autoführerschein und dann auch mein erstes eigenes Auto gesponsert (hatte einen Wert von € 300,–)… usw. Dies alles bekamen meine Brüder nicht und das fand ich schon ein bisschen gemein… 😦 Mein Vater meinte, ich wäre die Fleißigste von allen und daher hätte ich mir dies verdient. Ohne Fleiß, kein Preis!

Das ging runter wie Butter, sag ich euch! Ich war unglaublich Stolz auf mich. Ich wollte, dass mein Vater Stolz auf mich ist. Ich war richtig scharf auf Lob und Anerkennung von ihm! Deswegen mühte ich mich wohl so ab, um ihm alles recht zu machen….

Um den Roller erhalten zu können, jobbte ich ab 16 jedes zweite Wochenende im Krankenhaus in der Küche als Tellerwäscher. Mit 17 war ich dann mit der Schule fertig und hatte keinen Dunst, was ich werden will und begann ein FSJ (Freiwilliges soziales Jahr) in einem Christlichen Freizeit- und Bibelheim.

Es war Horror für mich! Dazumal zweifelte ich fast an meinem Glauben an Gott. Die „Haustöchter“ wurden ziemlich an der kurzen Leine gehalten. Arbeiten, arbeiten, arbeiten, Leistung bringen und sonst gab es nur Bibel- und Haushaltsunterricht und Sonntags Gottesdienst. Wenn man in die „Stadt“ wollte musste man sich abmelden und wenn man wieder kam, sich wieder anmelden. Am Abend musste man bis spätestens 22 Uhr wieder da sein und wenn nicht, wurde das Haus abgesperrt… Pech gehabt! Aber ehrlich? Ich hatte gar nie den Drang länger weg zu bleiben, in der Ortschaft war eh nichts… Am Abend wurden im wahrsten Sinne des Wortes die Gehsteige hochgeklappt und danach war es wie ausgestorben…

Nach Hause zu fahren wurde mir im Laufe des Jahres nachdrücklich „verboten“, weil es gemein den anderen „Haustöchtern“ gegenüber sei, die nicht so oft nach Hause fahren konnten, weil ihre Eltern weiter weg wohnten. Als einmal ein bisschen lebendigere Christen für eine Woche im Haus waren (Charismatiker/ Pfingstler) wurden die fast verteufelt, weil die so laut (Musik), fröhlich und offen waren… Ich hörte bloß wie der „Hausvater“ sagte: „Die kommen mir nie wieder ins Haus!“

Ich schüttelte nur innerlich den Kopf, denn das war es, was ich wirklich toll und ermutigend fand! Fröhliche, offene Christen, die offensichtlich Spaß an ihrem Leben hatten! Toll! Sowas wollte ich auch.

Allerdings folgte nach dieser Erfahrung und Beendigung dieses Jahres erstmal eine Kehrtwende in meinem Leben. Ich versuchte Gott aus meinem Leben zu streichen und begann mich „in der Welt“ auszuleben. Mehr davon in meinem Bericht: Kindheitserinnerungen.

Gegenwart

Vielleicht könnt ihr jetzt nachvollziehen, wer ich bin bzw. wie die Prägungen in meinem Leben sind.

Ich würde oft gerne raus aus meiner Haut: Oh ja! Lieber heute als morgen, aber nicht weil ich mich unwohl fühle, sonder weil ich einfach merke, wie mich meine Prägungen behindern.

Ganz einfach erklärt anhand meiner Kindererziehung, oder besser gesagt, anhand dem Umgang mit meinen Kindern. ICH MUSS ALLES SELBST SCHAFFEN!!! Kinder zur Oma, damit man mal Luft hat? Jemand um Unterstützung bitten? Eingestehen, dass man fertig ist und einfach Hilfe bräuchte? Das ist für mich wie ein Achterbahnfahrt der Gefühle, eine mordsmäßige Überwindung. Es ist als ob sich mein Darm innerlich noch 1000x mehr windet. Wie eine mordsmäßige Verstopfung, die einfach nicht weg geht… (Stuhlgangvergleiche, typisch Altenpflege… 😉 )

Und… Ich komme oft an meine Grenzen. Oh ja! Meine Kinder können ein Lied davon singen… Es gibt gute Tage und schlechte Tage… An schlechten Tagen bin ich muffelig, genervt, unfair und möchte am liebsten nur noch meine Ruhe haben. Die Kinder bekommen das logischerweise zu spüren. An manchen Tagen kann ich mich durch „Selbstsuggestion“ 😉 davon abhalten „narrisch“ auf meine Kinder zu werden und an manchen Tagen geht einfach nix mehr… Es tut mir jedesmal unendlich leid! Wenn ich mal wieder geschrien hab und die Kids einfach unfair behandelt hab.

Zudem leide ich seit vielen Jahren (und etliche Jahre davon unbehandelt) an Hashimoto-Thyreoditis. Das ist eine Erkrankung der Schilddrüse und eine Immunerkrankung, die auch unter anderem zu Stimmungsschwankungen und depressiven Verstimmungen führt. Vielleicht widme ich dieser Krankheit auch mal noch einen Blogbeitrag, mal sehen. Ist ein sehr komplexes Thema. Wer auch daran leidet und sich informieren will dem kann ich folge Internetseite empfehlen: www.hashimotothyreoiditis.de

Mein großer Sohn sagte vor kurzem zu mir: „Mama! Ich mach doch eh immer alles falsch! Warum kann ich nicht mal was richtig machen?“ Ich kann euch sagen, mir hat das Herz geblutet!!! So traurig und schwer war mein Herz, wie nach diesem Satz, schon lange nicht mehr. Er macht wirklich viel. Am Morgen bereitet er oft voller Hingabe den Kaffee für mich und meinen Mann zu. Wenn man ihm sagt, er soll kurz auf seine kleine Schwester aufpassen, macht er das. Wenn man ihm sagt, er solle kurz auf seinen Bruder aufpassen, macht er das auch. Wenn die beiden streiten oder Mist bauen, ist er allerdings immer der Erste, der geschimpft wird… Und, er kann schon Handtücher zusammenlegen und das macht er auch noch gerne! Mein Vierjähriger ist einfach nur absolut hilfsbereit und… sensibel. Ich nehme mir hiermit vor, ihn öfter zu loben. Ich weiß aus leidvoller Erfahrung: Der/Die Älteste zu sein ist häufig ziemlich doof!

Fazit

Ich muss glaub in Zukunft wirklich öfter über die Schatten meiner Vergangenheit springen, allein schon wegen meiner psychischen Ausgeglichenheit.

Das bedeutet Arbeit für mich und geschieht ziemlich wahrscheinlich nicht von heut auf morgen.