Grenzen bei der Evangelisation- eine Erfahrung

Ich hab eine ganz liebe Freundin, die ich wirklich gern mag. Sie wohnte vor ein paar Jahren neben uns, bevor sie weiter weg zog. Wir verstanden uns prächtig. Unsere Kommunikation der letzten Jahre beschränkte sich dann jedoch leider nur noch auf das Schriftliche. Nun löschte ich sie jedoch vor längerer Zeit aus meiner Freundesliste in den sozialen Netzwerken. 

Vorgeschichte: Sie war früher laut ihrer Beschreibung Kirchgängerin und konnte sich wohl irgenwie schon mit dem Glauben an Gott identifizieren. Sie ist ein sehr kritischer Mensch und hatte viele Fragen im Bezug auf die Bibel, die ihr jedoch keiner wirklich beantworten konnte. Die Antwort die man ihr gab: „Lies die Bibel, dann erhälst du alle Antworten“, reichte ihr nicht. Selbstverständlich. Man benötigt immer jemand zum Austausch, besonders in der suchenden Zeit. Als sie dann noch bei einer kirchlichen Veranstaltung vor allen der Kirche verwiesen wurde, weil sie als Ungetaufte das Abendmahl nehmen wollte, schoss es ihr den Vogel ab und sie wendete sich gegen das Christentum. Sie ist der klassische Fall: Enttäuscht von Menschen, die an Gott glauben, daher kann sie nicht mehr glauben. Daher ist ihr Kampf gegen jegliche Religiosität umso vehementer. 

Ich konnte nicht mehr. Ich merkte, ich komme an meine persönliche Grenze mit ihr. Ich merkte, diese Grenze darf ich jetzt nicht überschreiten, sonst ist mein Verhältnis zu ihr nicht mehr in Liebe und Annahme geprägt, sondern nur noch von einem religiös-christlichem-Pharisäertum und Abneigung. Sobald etwas so verfahren wird, dass man das Gefühl hat, man kommt an seine persönlichen Grenzen, muss man es einstellen. Denn dann spricht, meiner Meinung nach, in Gesprächen um den Glauben, nicht mehr Gott aus mir, sondern sein Widersacher, der Teufel. Gott agiert klar und deutlich und für jeden verständlich, aber mit Liebe. Sobald es jedoch nur noch ein hin- und her Geplänkel ist, was schlussendlich nur dazu führt, dass beide Gesprächspartner sich schlecht fühlen bzw sogar Abneigung aufkommt, dann muss man sich eingestehen: Ich kann bei diesem Menschen nichts mehr ausrichten!

Ich bete für sie. Ich bete, dass Gott ihr Vorort jemanden zur Seite stellt, wenn er es nicht schon getan hat. Ich bete für sie, dass sie erkennen darf: Sie ist ohne Gott verloren. Ich bete für sie um Weisheit in ihrer Kindererziehung. Ich bete für sie, dass Gott ihr in vielen Dingen die Augen öffnet und vor allem, dass sie sich nicht weiter an ihren Kinder schuldig macht, indem sie ihnen erzählt, es würde keinen Gott geben.

Ich glaube, dass das Gebet eine unglaubliche Kraft hat. Aber ich muss zugeben, ich nutze diese Kraft des Gebetes leider auch viel zu selten, da ich mich oft von irgendwelchen anderen Dingen ablenken lasse. Und ja ich weiß, dass ist die Masche des Teufels- die Menschen ständig ablenken und beschäftigen, damit sie gar keine Zeit haben über Gott und ihr Leben nachzudenken.

Aus der Ferne ist es immer schwer anderen Menschen Ratschläge zu geben. Man kennt die Situation Vorort nicht. Bei schriftlichen Kontakten sieht man zudem die Reaktionen des Gegenübers nicht, was eine persönliche Einschätzung der Lage sehr schwierig gestaltet. Emoijs haben die moderne Kommunikation erleichtert, spiegeln jedoch oft nicht die wahren Gefühle wieder.

Ich glaube ganz fest daran, dass der Gott der Bibel der einzig wahre Gott ist. Ich bin jedoch auch nur ein Mensch mit einem begrenzten Horizont und ich kann nicht alles wissen. Ja, ich weiß auch, dass ich nicht alles weiß. Kein Mensch weiß alles. Zudem kann ich auch nicht die ganze Bibel auswendig zitieren und bei Diskussionen, in denen es einfach nur um „Paragrafen-Reiterei“ bzw. Bibelvers gegen Bibelvers aufwiegen geht, kann ich auf Dauer nicht mitdiskutieren. Und nein, das muss ich auch nicht! Dies muss ich mir immer wieder verinnerlichen.

DasGlückist mitdemTüchtigen

Kann ich es beweisen das Gott existiert? Nein! Kann irgendein Mensch beweisen, dass Gott existiert? Soviel ich weiß, nicht. Kann jemand beweisen, dass der Wind existiert? Nein. Kann jemand beweisen, dass die Seele existiert? Nein! Und trotzdem glaubt der Mensch vieles, was er nicht beweisen kann. Warum glauben die Menschen dann nicht, dass es Gott gibt? Gott ist das einzige Wesen zwischen Himmel und Erde, welches es wirklich gut mit den Menschen meint! Er hat keine Hassgedanken, er liebt alle seine Kinder und er ist unglaublich traurig über jedes Kind, das ihm den Rücken zuwendet und nichts (mehr) von ihm wissen will. Er überlässt seinen Kindern die Entscheidung: Für ihn oder gegen ihn! Allerdings hat jeder Mensch, sein ganzes Leben lang, die Möglichkeit seine Entscheidung zu revidieren. Immer wieder, tagtäglich, in jeder Sekunde seines Daseins. Amen