Kreislauf

In der letzten Woche ist es ruhiger um mich geworden. Nach der Stoffwindelwoche 2018, die mich unglaublich begeistert hatte, da das Wickeln mit Stoffwindeln eine kleine Leidenschaft von mir ist, bin ich etwas ausgepowert.

Klingt wahrscheinlich echt doof, wenn ich sage, dass Windeln eine Leidenschaft sein können, aber es ist so viel mehr, als nur die schönen bunten Windeln am Popo meines süßen kleinen Babys und am Po meines Kleinkindes.

Stoffwindeln stehen für Nachhaltigkeit, für Umweltbewusstsein, für Müllreduzierung, für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur, für eine Auseinandersetzung mit den verschiedensten Materialien die von dieser schönen Erde kommen und die aus den Rohstoffen produziert werden können. Dies fasziniert mich unglaublich- Was einfach alles möglich ist, wenn man sich mit ein bisschen Interesse für die Abläufe in der Natur und Industrie interessiert. Man stellt relativ schnell fest, dass alles, was wir als praktikabel und fertig vorgesetzt bekommen (egal welche Produktkategorie) schlicht und ergreifend, im weiteren Sinne, schlecht für Mensch und Natur ist! Unsere eigenen Bequemlichkeit aufzugeben und selbst Dinge zu schaffen, ist glaube für viele in unserer heutigen, modernen, verwöhnten, europäischen Gesellschaft nicht erwünscht bzw eine unglaubliche Überwindung.

Wir wollen alles haben. Sind gewohnt alles zu bekommen. Sind vor allem gewohnt alles billig zu bekommen! Wollen möglichst viel verdienen, aber möglichst wenig für unsere Konsumgüter ausgeben. Dass dies auf Dauer nicht funktionieren kann und auch nicht funktioniert sollte jedem klar sein! Für alles, was wir unter Wert kaufen: Dafür müssen auf anderen Teilen der Erde Menschen bluten.

Ich sehe es an dem Beispiel: Stoffwindeln nähen. Gut, ich bin noch nicht die geübteste Näherin in dieser Kategorie. Eine Näherin, die dies oft tut, ist wahrscheinlich schneller. Ich benötige ca. 1,5 h für eine Windelüberhose. Material ist recycelt und/ oder geschenkt bekommen. Sagen wir also, Materialeinsatz ca. € 5,– pro Überhose. Ist nicht viel! Dazu kommt Arbeit. Ein halbwegs anständiger Stundenlohn beträgt netto minimum € 15,– dazu kommen Maschinenstunden, Zubehör wie Nadel, Faden… Also sind wir ohne Steuern und Abgaben und ohne hohen Materialeinsatz für eine Überhose allein schon so bei über € 20,–, wenn man jetzt noch die die Steuern und Abgaben für Lohn und die fertige Ware plus neue Materialien (im Handel würden sicher wenige recycelte, gebrauchte Artikel als neu deklariert kaufen) würden wir mit einer Überhose auf locker € 40,– im Verkauf kommen.

Und jetzt seht euch mal die Preise im Handel, spezifisch auf Amazon und Ebay an- Chinaware. Da ist eine Überhose für € 6-8 und weniger zu bekommen… Selbst europäische Produktionen bekommen man schon unter € 20,–. Wie kommt das zustande? Ziemlich wahrscheinlich enorm niedrige Stundenlöhne und Fließbandarbeit.

Wenn ich eine Überhose nähe ist es ein Einzelstück und Stoffe, Faden, Knöpfe wurden individuell ausgesucht. Bei einer industriell gefertigten Ware sind die Abläufe standardisiert und durchgetaktet, so kommt es wohl, dass Waren günstig in den Verkauf kommen. Ist das schlecht? Naja, Ansichtssache. Ich würde nicht Monat für Monat, Jahr für Jahr dieselben Arbeitsabläufe machen wollen. Das ist für die Menschen die dies tun auch nicht lustig.

Im Grunde bin ich ja für Tauschhandel. Jeder Mensch hat Gaben und Fähigkeiten. Wenn er diese fördert und auslebt und anderen damit hilft und ihm widerrum geholfen wird, dann bräuchte es im Grunde kein Geld mehr… 😉 Aber gut, das ist utopisch. Papa Staat hätte da wohl auch wegen den Steuern was dagegen…

Was ich damit sagen will. Überlegt euch die Abläufe des Lebens. Denkt nach was ihr wirklich benötigt und was einfach reiner Luxus ist und im Grunde nicht langfristig zur Lebenszufriedenheit beiträgt. Was brauchst du wirklich zum Leben??? Ist es dir wirklich egal, dass andere Menschen für dein Vergnügen ausgenutzt werden? Für ein Vergnügen das vielleicht nur wenige Stunden dauert? Für ein Glücksgefühl, wenn man sich was neues anschafft, welches jedoch genauso schnell wieder verschwindet, wie es gekommen ist? Wie viel liegt bei dir in der Ecke herum, was du dir mal ganz euphorisch gekauft hast, weil du dachtest du benötigst es unbedingt? Benötigst du es jetzt? Nein. Woher kommt es? Wahrscheinlich: Made in China…  Ich sag jetzt nicht, dass man sich nie was gönnen darf… Aber man sollte sich überlegen, wie oft man was konsumiert und ob es wirklich notwendig ist und vor allem, ob man es nicht selbst herstellen/ produzieren könnte. DAS ist nämlich das wirklich tolle und befriedigende, wenn man ein selbst hergestelltes Produkt verwenden darf. Dies ist für mich ein Glücksgefühl, wenn ich etwas mit meinen eigenen Händen herstellen durfte und es funktioniert. 

 

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